zurück zur Übersicht 27.11.2014 - 12:28

Interview mit Autofotograf Frederic Schlosser

frederic3 Frederic Schlosser, 21 Jahre alt, Frankfurt am Main
Frederic hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Portfolio als Autofotograf gesammelt, ist aber eigentlich noch Student. Das hält Kunden wie Mercedes Benz, Audi und BMW jedoch nicht davon ab, ihn fleißig zu buchen. Seine Bilder findet ihr auf www.fredericschlosser.de.

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Hallo Frederic!

Hallo PicDrop!

Schön, wieder von Dir zu hören. Vor einem Jahr haben wir uns zuletzt gesprochen und Du wirktest selbst ein wenig überrascht von Deinem Erfolg. Nicht erst seitdem explodiert Dein Portfolio und es wirkt, als rennen Dir die Autohersteller die Bude ein…

Da hast du Recht. Ich erinnere mich noch gut an unseren ersten Kontakt, als Du mir PicDrop gezeigt hast. In der Zwischenzeit hat sich sehr viel getan und ich habe einige spannende Projekte für verschiedene Hersteller hinter mich gebracht. Ich muss zugeben, dass ich momentan kaum hinterherkomme – Die Nachfrage ist sehr groß. Dennoch bin ich nach wie vor mit Leidenschaft dabei und liebe das, was ich mache.

Ganz plötzlich kommt er ja nicht, aber kannst Du Dir den schnellen Erfolg erklären? Manch andere Autofotografen brauchen zuerst jahrelange, feste Assistenzen, danach freie Assistenzen und dann noch einmal Jahre um sich auf dem harten Markt der Autofotografie behaupten zu können.

Das stimmt wohl. Die Leute sind immer wieder überrascht wenn sie hören, dass ich noch nie eine mehrjährige Assistenz gemacht habe. Ich freue mich natürlich riesig darüber, dass es so gut läuft und die Bilder gut ankommen. Ich denke es liegt einfach daran, dass ich mich seit Beginn voll reinhänge und das ganze mit Leidenschaft und Spaß mache. Jedes Projekt ist eine neue Herausforderung für mich. Nicht etwa, weil der Druck groß ist, gute Bilder zu liefern… vielmehr weil ich mir jedes mal selber das Ziel setze, es noch besser als letztes mal zu machen. Bei mir ist es nicht nur der Kunde, der zufrieden sein muss. Ich muss das Ergebnis auch lieben – und das war bis jetzt immer der Fall.

Wenn ich ein Jahr zurückschaue, überrascht es mich selbst natürlich auch. Gerade wenn ich mich daran erinnere, was ich damals noch machen musste, um an schöne Autos zu kommen… Inzwischen sieht es genau anders herum aus: die Firmen kommen auf mich zu und wollen ihre Fahrzeuge fotografieren lassen. So betrachtet überrascht mich das natürlich schon. Da das ganze aber eine fortlaufende Entwicklung war, fühlt es sich aber trotzdem fast schon normal an.

Die Firmen wenden sich inzwischen also eher an Dich?

Absolut. Ich bekomme regelmäßig Job-Anfragen und mal klappt es halt – und mal nicht. Dann kann ich manchmal das Ergebnis eines “verlorenen” Jobs am Ende auf der Website eines Kollegen sehen.

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Bist Du eigentlich ein guter Maler?

Nicht wirklich. Ich habe zwar eine Oberschule mit Schwerpunkt “Gestaltungs- und Medientechnik” besucht, ich würde mich nicht als übertollen Zeichner bezeichnen. Wieso fragst Du?

Als ich einem Kollegen Deine Bilder zeigte, sagte dieser in Anspielung auf Deine Photoshop-Skills nur: “Joar, malen kann er.” Die meisten Autofotografen bearbeiten ihre Bilder kein Stück weniger, geben aber die Nachbearbeitung an teure Spezialisten ab und reden nicht darüber. Stört Dich diese ständige Reduzierung auf das “Nachher” oder siehst Du es als Kompliment, dass Du auch diesen Teil selbst beherrschst?

Mittlerweile stört es mich nicht mehr, da stehe ich drüber. Klar, da gibt es immer die Leute, die nur kurz draufschauen und dann murmeln: “Aha, naja, Photoshopkönner, aber fotografieren kann er nicht…” Mittlerweile sollte doch eigentlich jeder verstanden haben, dass Photoshop nunmal dazugehört.

Was viele Menschen aber nicht verstehen: Autofotos müssen so aussehen. Im Gegensatz zur Portraitfotografie geht es in der Autofotografie ganz klar um die Hervorhebung und Betonung des Autos, des Produktes. Die Hervorhebung von Linien und Schwüngen in der Karosserie gehört einfach dazu.

Menschen, die soetwas kritisieren, wissen sicher oft einfach nicht, dass das so sein soll. Im Vergleich zu mancher CGI-Pampe sind meine Bilder da fast noch zurückhaltend. Am lustigsten ist es, wenn der Aufschrei gerade bei Motiven groß ist, die fast unbearbeitet sind, wie bei einem Schuss aus LA oder meinem Foto eines FIAT 500 (siehe unten). Ich kann selbst unbearbeitete iPhone-Schüsse bei Facebook online stellen – irgendwer hat immer was zu meckern. Da muss man einfach drüber stehen.

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Dennoch scheint Facebook für Dich erstaunlich wichtig zu sein.

Mittlerweile ist mir Facebook gar nicht mehr so wichtig wie früher, wobei “früher” gerade einmal ein halbes Jahr zurückliegt. Bei den ständigen Änderungen von Facebook weiß ich eh nie, wieviele meiner “Fans” ich mit einem Eintrag auf meiner Seite noch erreiche, weil wieder irgendwelche Algorithmen geändert wurden und der Eintrag nur noch bei 10 von 100.000 Abonnenten angezeigt wird. Sich darauf zu verlassen, wäre doch heutzutage fast fahrlässig. Ich gehe davon aus, dass das Kürzen der Reichweite von Facebook und der Zwang, sich diese Reichweite kaufen zu müssen, eher zu- als abnimmt. Da habe ich keine Lust drauf und vermute, dass ich meine Seite irgendwann wegschmeissen kann…

“Ich habe mich noch nie bei einer Agentur vorgestellt.”

Knapp 165.000 Fans sind dennoch nicht ohne – kommen dadurch auch Jobs rein?

Nein. Naja, vielleicht doch, ein paar kleinere Anfragen kann ich schon auf Facebook zurückführen, aber das waren eher kleine Firmen. Meine größeren Jobs kommen eher über den klassischen Weg…

… also Mappentermine und Aussendungen?

OK, vielleicht doch nicht ganz klassisch – seit ich fotografiere, habe ich mich noch nie mit meiner Arbeit irgendwo vorgestellt. Ich habe weder einer Agentur meine Fotos gezeigt noch etwas rumgeschickt…

… Moment! Habe ich das gerade richtig verstanden?

Ich denke schon. Bisher kamen die Agenturen immer auf mich zu und haben mich gebeten, mal ein PDF zu schicken, damit sie mich wiederum ihren Kunden vorstellen können. Sicher, wenn ich meine Fotografie schon komplett hauptberuflich machen und nicht noch nebenbei studieren würde, wäre ich da schon aktiver gewesen, aber bisher habe ich lieber versucht, die richtige Balance zwischen der Fotografie und meiner Ausbildung zu finden. (Anmerkung: Frederic schloss erst vor kurzem sein Abitur ab.)

“Das Uni-Leben ist ein guter Ausgleich.”

Das hat nicht ganz so geklappt…

(lacht) Das kann man wohl sagen. Seit Oktober 2013 studiere ich dennoch “Digitale Medien” in Mannheim. Dieses Studium ist mir trotz der nicht wenigen Aufträge wichtig. Ich bin erst 21 und will diese Studienzeit, das Studentenleben, nicht einfach überspringen sondern genießen, bevor es weiter ins “trockene” Berufsleben geht. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, wenn man sich in Bereichen wie Steuern, Rechnungsstellung, Buchhaltung, Marketing und grundlegendes Wissen zur Funktionsweise von Firmen auskennt. Diese Dinge sind Teil meines Studiums und können ganz sicher nicht schaden, wenn man sich später selbstständig machen will. Ich habe mir aber auch vorgenommen, dass mein Studium die Karriere als Fotograf nicht allzu sehr einschränken darf. Ich könnte mir nicht vorstellen, drei Jahre mit dem Fotografieren zu pausieren, bis das Studium rum ist. Das Uni-Leben ist aber auch ein sehr guter Ausgleich zu der unwirklichen Agentur- und Werbe-Welt.

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Nochmal zurück zu den Bildern und der Bearbeitung: Siehst Du Dich da vielleicht auch an anderer Stelle im Vorteil? Du beherrscht nicht nur den ersten Teil eines Autoshootings, das Fotografieren, sondern auch den zweiten Teil, die Postproduktion, also Bildbearbeitung. So hast Du alles voll unter Deiner Kontrolle und kannst selbst bis ins kleinste Detail steuern. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit in Deinem Business?

Das ist auf jeden Fall ein Plus. Wenn man weiß, was hinterher in der Nachbearbeitung noch geht, ist es viel einfacher, schon on Location darüber zu sprechen und direkt nachzusteuern. Es gibt Fotografen, die von der Nachbearbeitung selbst keinerlei Ahnung haben. Es ist manchmal schon ganz schön ernüchternd, das zu sehen. Durch meine Zeit in einer Agentur habe ich ganz gut Einblicke in anderer Fotografen Arbeit gewinnen können und versuche, das besser zu machen.

Woher kommen Deine Photoshop-Skills?

Pures Interesse. Mein älterer Bruder arbeitet in einer Agentur und hat sich schon damals während der Schulzeit das meiste selbst beigebracht. Ich habe ihm früher dabei oft begeistert zugeschaut und wenn er mit einer Arbeit fertig war, habe ich es eben nachgemacht. Das waren keine Fotos… eher Plakate, Logos und Layouts für Websiten. Ich konnte ihn immer mal wieder etwas fragen. Das war meine Ausbildung. Ich würde nicht behaupten, dass ich jede Funktion in Photoshop kenne. Ich finde allerdings immer einen Weg, meine Vorstellungen umzusetzen.

Von Workshops oder Tutorials halte ich nicht viel. Da arbeitet man an einem Bild, baut die Dinge nur nach, ohne sie zu verstehen, und wenn man dann vor dem nächsten Bild sitzt, ist man nicht viel schlauer als zuvor.

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15 weitere Belichtungen später…

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Und woher stammt Deine Leidenschaft für Autofotografie?

Ich denke, ich bin da nicht viel anders als die meisten Jungs. Klar dachte ich früher sofort “geile Karre”, wenn mal ein Ferrari oder Lamborghini an mir vorbeifuhr. Ich möchte zwar nicht sagen, dass ich angefangen habe, Autos zu fotografieren, um mich endlich selber hinter das Lenkrad setzen zu dürfen – aber ja, ein wenig Faszination für schnelle Autos muss man schon mitbringen. Ich habe schon immer DTM-Rennen oder Formel 1-Rennen geschaut und bin in Autohäuser gegangen, um mir die Wagen anzuschauen.

“Auto fahren ist schon geil.”

Heute fahre ich so oft wie es geht mit dem Auto. Ob alte Fahrzeuge oder neue, Auto fahren ist schon geil. (lacht) Vor einer Weile habe ich sogar mit 2 Freunden ein eigenes Bastelprojekt in der Werkstatt angefangen, ganz ohne Fotos. Wir hatten damit begonnen, einen BMW E30 umzubauen, einen neuen Motor einzusetzen etc… Aus Zeitgründen müssen sie jetzt aber leider erst mal alleine weiter machen.

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Nicht viele Autofotografen besitzen dieses unmittelbare Interesse am Autofahren. Du scheinst nicht nur “normaler” Autofotograf zu sein, sondern vor allem auf “geile Karren” zu stehen. Diese fast pubertäre Leidenschaft steckt einen als Betrachter an, man möchte sofort einsteigen und aufs Gas drücken. Sie kommt in jedem einzelnen Deiner Bilder rüber. Wirst Du inzwischen genau dafür gebucht, für diese Leidenschaft?

Klar. Gerade neulich habe ich an einem Projekt gearbeitet, bei dem wir völlig frei und ohne festgelegte Shotlist für Audi mit einem R8 und einem S3 herumgereist sind und uns austoben konnten. Das ist schon Leidenschaft pur, aber natürlich meist die Ausnahme.

“Ich freue mich wie ein Kind,
die schnellen Flitzer fahren zu dürfen”

Wieso das?

Große Automarken benötigen bei ihren Shootings eigentlich immer die gleichen Fotos und Einstellungen – und das ist auch verständlich. Da muss das Auto ganz klar im Vordergrund stehen, es muss erkennbar sein, es muss die ¾-Perspektive von vorne und die ¾-Perspektive von hinten geben und so weiter. Das Auto muss sich eben verkaufen und diese Shotlists sind meist fest vorgegeben. Es gibt nur wenig Freiraum und Zeit, bei Aufträgen noch nebenher kreativ zu sein.

Im nächsten Jahr will ich mich aber darauf konzentrieren, dass sich genau das ändert. Diese Highend-Autos sind zwar toll, aber ich möchte jetzt versuchen, den Fokus in Zukunft noch ein wenig mehr aufs Fotografische zu legen, Lifestyle-Serien zu schießen, bei denen die Autos eben nicht immer perfekt und glatt im Vordergrund stehen und es nur um die “geile Karre” geht. Die Serie für Audi war da ein erster Schritt in diese Richtung.

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Kannst Du da ins Detail gehen?

Vor ein paar Wochen war ich wieder im Ausland unterwegs, um eine Lifestyle-Serie zu produzieren. Gestartet sind wir in Frankfurt mit einem Porsche 911. Ziel: Prag! Das Model hatten wir bereits vorher ausgewählt – Locations wurden mehr oder weniger spontan in Prag aufgesucht. Es hat ziemlich viel Spaß gemacht, zwei Tage “planlos” durch die Stadt zu fahren – immer auf der Suche nach der perfekten Inszenierung. Hier wurde nichts bis ins letzte Detail geplant. Keine Produktionsfirma, kein großes Team. Nur der Porsche, das Model, ein Kumpel und ich!

Für den zweiten Tag hatten wir dann noch einen Porsche 911 der ersten Generation. Wetter, Locations und das Shooting waren perfekt. Manchmal gehört eben auch ein bisschen Glück dazu! Es waren ein paar erlebnisreiche Tage, die unglaublich viel Spaß gemacht haben.

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Bei solchen Trips lässt Du es Dir doch sicher auch nicht nehmen, die ganzen tollen Autos selber zu fahren, oder?

Klar, wenn sich die Möglichkeit ergibt, sage ich nicht nein.
Ok, ehrlich gesagt freue ich mich immer wie ein kleines Kind darauf, die ganzen schnellen Flitzer selber fahren zu dürfen! (lacht)

Abseits von Werbeproduktionen gibt es immer mal wieder die Möglichkeit, nette Fahrzeuge zu fahren. Bei unserem Audi Trip wurden die R8 und der S3 sogar für zwei Wochen zu mir nach Hause geliefert. Es ist immer wieder eine Freude, die ganzen verschiedenen Fahrzeuge fahren zu dürfen. Vom kleinen giftigen Rennzwerg bis zu hochkarätigen Sportwagen war da schon alles dabei. Wenn man Autos wirklich mag, ist das einfach eine tolle Erfahrung.

Diese Autos sind ja auch teuer… bist Du gut versichert?

Klar. Und ich halt mich natürlich an die StVO! Manchmal.

“Ein Porsche sieht einfach immer gut aus.”

Wie wär’s da zur Abwechslung mal mit einem VW Multivan-Shooting? Tolle Familienkutsche.

Absolut! Zusammen mit einem anderen Fotografen habe ich bereits an einer Kampagne für Mercedes Sprinter gearbeitet und es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Das hat ganz sicher auch was mit der Abwechslung zu tun, auf einmal keinen Porsche mehr vor sich zu haben, sondern ein “normales” Auto und sich zu sagen: “OK, wie lasse ich den jetzt cool aussehen?” Ein Porsche sieht einfach immer gut aus. Bei einem Sprinter, den Du im Alltag ignorierst, ist das nochmal eine ganz andere Herausforderung, die mir extrem viel Spaß macht.

Was fährst du selber?

Ich fahre einen Audi S1 Sportback.

Und was wäre Dein Traum?

Ganz unvernünftig, ohne Rücksicht auf meinen Beruf und den Platzbedarf eines Fotografen?

Ohne Vernunft bitte.

Ein 67er Ford Mustang Fastback.

“Mit analog habe ich nichts zu tun.”

Siehst Du denn auch die Wahl Deiner Kamera als Vernunftsentscheidung? Viele verdrehen sicher erstmal völlig überrascht die Augen, wenn sie sehen, mit welcher Kamera Du arbeitest…

Ich arbeite schon immer mit Sony-Kameras und beim ersten Kamerakauf war das wirklich eine Entscheidung nach Bauch- und Handgefühl. Ich stand 2009 im Laden und verließ ihn einfach mit einer Sony. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn ich zwischendurch schon in der Versuchung war, mir eine Canon oder Nikon zu holen, weil ich oft schief angeschaut wurde.

Mittlerweile sehe ich es auch als Alleinstellungsmerkmal. (lacht) Gebucht werde ich aber definitiv wegen meiner Arbeit und nicht wegen meiner Kamera.

Ist die Zeit der Spiegelreflex- oder großen Mittel- bzw. Großformatkameras in Deinem Bereich vorbei? Braucht es das gar nicht mehr, um tiptop Arbeiten abzuliefern? Oder hast Du schlichtweg nie anders gearbeitet?

Eine analoge Kamera habe ich vielleicht mal in der Hand gehabt aber mehr auch nicht. Mit analog habe ich nichts mehr zu tun, was sicher auch daran liegt, dass ich erst seit 3 Jahren Autos fotografiere.

Meine Sony Alpha 7R liefert mit ihren Carl Zeiss Objektiven, ihren 36 Megapixeln und den 15 Blenden Dynamikumfang die derzeit beste Qualität im Vollformat, bei der ich definitiv nichts mehr vermisse, gerade bei meiner ruhigen Arbeitsweise vom Stativ. Und wenn ein Kunde dennoch auf noch mehr Auflösung durch Mittelformat besteht, leihe ich sie mir halt für das Shooting. Ich habe auch schon öfters mit Hasselblad und PhaseOne Kameras gearbeitet.

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Schonmal an ein Sony-Sponsoring gedacht?

(lacht) Das habe ich inzwischen aufgegeben. Darum habe ich mich schonmal gekümmert, aber…

… keine Chance?

Ja. Es gab sogar schonmal eine Initiative von Fotografen, die sich zusammengetan und Sony eine E-Mail geschrieben haben. Sie wollten wissen, wieso Sony mich nicht sponsoren würde, so sehr wie ich ihre Produkte in einem für sie ungewöhnlichen Umfeld wie der Autofotografie zeige. Aber auch da kam nie eine Antwort. Ich stelle die Sony-Produkte bereits jetzt schon viel in den Vordergrund, einfach weil ich sie wirklich geil finde und zeigen will, dass man keine Canon oder Nikon braucht. Dafür hat es mit Profoto gut geklappt und ich bin sehr glücklich über die echt lockere Zusammenarbeit.

Zurück zum Shooting: Den großen Moment am nächsten Tag im Labor oder am Rechner, die unruhige Rückfahrt vom Shooting, ständig die Frage im Hinterkopf, ob alles gut lief – das gibt es nicht mehr.

Nein, bei den meisten meiner Aufträge wird schon vor Ort direkt mit dem Kabel in den Laptop geschossen, alles überprüft und ins Layout eingebaut. Diesen großen Moment zuhause, die Frage “ist alles scharf”, den gibt es definitiv nicht mehr und den könnte man sich auch gar nicht erlauben. Heute muss alles sitzen.

“Ich nehme noch immer meine Kumpel mit ans Set.”

So zu arbeiten braucht aber auch fähige Leute um einen herum, ein gutes Team. Früher hast Du aus autobegeisterten Freunden Assistenten gemacht, ihnen den Blitz in die Hand gedrückt und genau gesagt, was sie tun müssen. Und heute?

Da hat sich nicht viel geändert. Ich nehme noch immer meine Kumpel mit ans Set. Die wissen mittlerweile auch sehr genau, was sie tun… Ich kriege oft Anfragen von Assistenten, teilweise von sehr weit her, die mir assistieren wollen und wahrscheinlich keine Ahnung haben, dass ich noch in die Uni gehe. (lacht)

Mir ist die lockere Atmosphäre auf einem Shooting sehr wichtig. Das Arbeiten mit Leuten, die ich kenne und die ich mag ist so viel lockerer und schneller als mit einem fremden Team. Man versteht sich halt einfach. Klar, bei einem Projekt im Ausland kann ich auch nicht mehr alle Freunde mitnehmen. Aber dann kommt halt wenigstens ein Kumpel mit und die restlichen Assistenten werden vor Ort gebucht.

Siehst Du es auch als Vorteil Deiner “Generation”, dass Du eben keine riesigen Produktionen brauchst, die bei klassischen Autoshootings oft eher an Filmsets als Fotoshootings erinnern? Stattdessen arbeitest Du viel mit Leerschüssen und einem Licht, das – gehalten vom Assi – um das Auto “herumwandert”.

Vor einem Jahr hätte ich Dir darauf ein klares “Ja” gegeben, inzwischen habe ich natürlich auch den Vorteil eines Produktionsteams, und Annehmlichkeiten wie Catering und Produktionswagen für mich entdeckt. Viele Shootings werden mittlerweile von Produktionsfirmen organisiert. Für das Equipment brauchen wir dann manchmal zwei Sprinter. Ich könnte natürlich noch immer mit einem Licht arbeiten, aber mittlerweile nehme ich mir lieber viel mehr Zeit vor Ort, um ein Auto aufwändig auszuleuchten, anstatt ein Problem in der Postproduktion zu lösen. Ich weiß inzwischen auch, dass es einfach viel entspannter für mich und gut für das Ergebnis ist, mehr Hilfe am Set zu haben, um schneller umzubauen und mir den Kopf frei zu halten. Freie Projekte schieße ich aber auch heute gerne noch mit nur einem Blitz und einem Kumpel.

Trotz dieser Veränderungen – bei manchen Making Of-Videos von Kollegen frage ich mich immer noch, ob der Aufwand wirklich echt und nötig war, oder ob für das Making Of nochmal extra Aufwand betrieben wurde. Vielleicht hatte auch einfach jemand zu viel Geld übrig… (lacht)

 

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Hat schonmal etwas gar nicht so geklappt, wie Du es Dir vorgestellt hast?

Eigentlich nicht. Sicher gab es schon mal Situationen, die nicht meinen Vorstellungen entsprochen haben. Man macht dann halt das beste daraus. Und das hat bis jetzt immer geklappt!

Welche Fotografen, so ganz ohne Autos, haben Dich zuletzt so richtig umgehauen?

Ich habe leider kaum Zeit, mir andere Fotografen anzuschauen. Es gibt viel zu viele gute Kollegen, um hier einen herauszuheben. Ich bin auch absolut kein Fan davon, mich durch andere Portfolios zu klicken und inspirieren zu lassen. Auch wenn es sich abgedroschen anhört: Ich hole mir meine Inspriation gerne im Alltag. Oft sehe ich Stimmungen, Lichter, Farben, die ich dann unbedingt in das nächste Shooting mitnehmen muss.

… also niemand?

Doch, klar, aber ich sehe die Arbeit von anderen Autofotografen inzwischen auch ganz anders. Ich weiss jetzt einfach, dass ihre großartigen Bilder oft das Ergebnis riesiger Teams und auch aufwändiger, komplett ausgelagerter Bildbearbeitung sind. Das macht es schwer, ihre Arbeit einfach so zu schätzen, wie ich es früher getan habe, auch wenn die Bilder natürlich die gleichen und immer noch sehr gut sind. Momentan bin ich eher Fan von “kleineren” Fotografen, von denen ich weiss, dass sie sich voll reinhängen und auch auch mit wenig Mitteln und Geld, dafür aber voller Leidenschaft und vor allem eigener Arbeit, tolle Ergebnisse zaubern. Es ist einfach was anderes, zu wissen, dass derjenige seine Bilder noch zum Großteil alleine gemacht hat.

Eine große Inspiration und vor allem auch gute Kollegen sind Webb Bland, Easton Chang & Chris Benny. Mit Webb und Easton habe ich schon einige Projekte gemacht. Webbs Bilder haben mich irgendwo auch zur Autofotografie gebracht. Als ich damals noch nicht mal fotografiert hatte, habe ich mir immer seine Bilder angeschaut und war äußerst beeindruckt.

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Bei Dir sind noch alle Autos echt und nicht aus dem Computer (CGI). Oder?

Richtig, bei mir wird noch fotografiert! Sicher kann es auch mal zu Aufträgen kommen, bei denen ich “nur” Backplates, also die Motivhintergründe, fotografiere. Später setzt dann eine Post-Production-Firma das am Computer erzeugte Fahrzeug ein. Ich werde jedoch hauptsächlich für richtige Fotojobs gebucht, bei denen das Auto wirklich noch am Set steht.

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OK, das klingt alles ganz gut – wie oft am Tag klopfen denn jetzt die großen Repräsentanzen bei Dir an und winken mit Verträgen?

Gar nicht. Ich habe mich bisher auch nicht darum gekümmert und möchte auch erst einmal mein Studium beenden, bevor ich in Aufträgen “versinke” und mein Studium vernachlässige.

Frederic, vielen Dank für das Gespräch!

Ich habe zu danken, es war mir ein Vergnügen!

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  • Thomas Wickl

    Ein wirklich tolles und interessantes Interview. Ich bin immer wieder begeistert wenn ich seine Arbeiten sehe, wirklich großes Kino! Ich selbst komme aus einer ganz anderen Richtung und frage mich bis heute ob bei den Bilder bei Tageslicht auch so etwas wie Bracketing/Mehrfachbelichtungen zum Look beitragen oder ob diese Bilder, wie das Bild mit dem weißen 911 und der Dame am Baum oder der Audi und der Surfer, nur jeweils ein Ausgangsbild des Autos hatten…

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  • Frederic Schlosser

    Vielen Dank Thomas! Freut mich, dass Dir meine Fotos gefallen. In der Tat erstelle ich auch bei Tageslicht Aufnahmen Mehrfachbelichtungen. Hier benötigt man halt anderes Lichtequipment. Stärkere Blitze, Reflektoren etc. … Mit Dauerlicht kann bspw. natürlich nur Nachts arbeiten! Ansonsten gibt es da keine großen Unterschiede. Auch das S3 Foto ist genau so entstanden. Es besteht aus ca. 11 Belichtungen. Das Porsche Bild ist ein One-Shot. Das Fahrzeug wurde nicht ausgeleuchtet. Lediglich das Model haben wir mit einem Reflektor aufgehellt!

  • Thomas Wickl

    Hallo Frederic,

    danke das du dir die Zeit genommen hast mir zu Antworten, ist wirklich sehr interessant was du schreibst. Ich freue mich auf zukünftige Arbeiten von dir und wünsche dir weiterhin viel Erfolg und noch ne Menge tolle Projekte! :)

  • picdrop

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    approve

    Andreas vom PicDrop Team
    hello@picdrop.de