zurück zur Übersicht 19.10.2014 - 20:10

Im Interview: Felix Meyer

RUBRIK_Interview

Felix Meyer, Chemnitz, 25 Jahre alt.

Seine Website und sein Blog findet ihr unter www.felixmeyer-fotografie.de.

Hallo Felix!

Hallo!

In unregelmäßigem Abstand wollen wir hier gerne Profifotografen vorstellen, die PicDrop nutzen und die wir mögen und schätzen. Los geht es heute mit Dir und gleich der ersten Ausnahme. Nämlich?

Genau. Ich bin kein Profifotograf. Zumindest nicht in dem Sinne, wie ich einen Profifotografen definiere. Denn der verdient seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie. Und das ist bei mir (noch) nicht so.

Trotzdem können sich manche Profis aber ganz schön was bei Dir abgucken.

Puhhh. Das weiß ich nicht. Aber bei dem, was man manchmal so sieht, könnte das schon sein. Ich schaue mir zum Beispiel Fotos in Katalogen etc. oft sehr genau an, meist eher als Inspiration. Manchmal denke ich mir dann schon “Herrje! Wer hat das denn verbockt?”. Vor allem was die Postproduktion angeht. Aber das denken andere bestimmt auch, wenn sie meine Fotos sehen. Außerdem sind meine Fotos eigentlich alle so, wie ich es will. Nicht, wie der Kunde sie gern möchte. Das ist ja oft auch ein entscheidender Faktor, den man als Außenstehende oft unterschätzt. Wenn die Agentur gern ein bestimmtes Foto möchte, dann ist das eben so – auch wenn man als Fotograf ein anderes vielleicht viel besser findet.

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All Deine Arbeiten entstanden also in Deiner Freizeit?

Mehr oder weniger. Ich studiere derzeit noch Wirtschaftsingenieurwesen in Chemnitz, bin damit aber im nächsten Frühjahr fertig. Wenn Freizeit also die Zeit ist, wo ich mich nicht mit der Uni befasse, sind meine Fotos in meiner Freizeit entstanden. Allerdings sind auch einige kommerzielle Bilder dabei.
Was dann nach dem Studium kommt weiß ich noch nicht.

Vielleicht also doch die Fotografie als Beruf?

Das ist ein Traum von mir. Denn ich merke mittlerweile schon, dass ich davon eventuell leben könnte. Allerdings reicht es bei weitem noch nicht für das täglich Brot. Es fehlt noch etwas Regelmäßigkeit. Mal sehen wie sich alles entwickelt.

Wir sind da optimistisch. Du auch, in Zeiten der Medienkrise?

Wenn man das, was man macht, gut macht, braucht man sich wegen einer Medienkrise oder so keine Sorgen zu machen, denke ich. Solange man sich Mühe gibt und davon überzeugt ist, sollte das schon funktionieren.

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Derzeit wohnst Du im verschlafenen Chemnitz – wieso?

Nachdem ich mein Medieninformatikstudium in Dresden abgebrochen hatte, fiel die Wahl für mein jetziges Studium auf Chemnitz. Vor allem weil es nah an der Heimat war. Damals habe ich schon etwas geknipst, aber von Fotografie war ich noch weit entfernt. Sonst hätte ich mich vielleicht anders entschieden.

“Hier kann man eigentlich nur Hochzeiten und
Passbilder fotografieren.”

Die Stadt ist nicht gerade bekannt als Mekka der Fotografie. Hast Du schon Absprungpläne?

Das stimmt. Wenn es um interessante und schöne Städte geht, spricht niemand von Chemnitz. Verständlich. In einigen Jahren wird sie in Europa die Stadt mit dem höchsten Altersdurchschnitt sein, habe ich neulich gelesen. Keine Ahnung ob das stimmt. Aber es gibt hier nur Rentner und Studenten, die nach dem Studium wegziehen. So fühlt es sich zumindest an. Einige schöne Ecken gibt es trotzdem und man kann es hier durchaus aushalten.

Aus fotografischer Sicht ist Chemnitz nahezu Niemandsland. Hier kann man eigentlich nur Hochzeiten und Passbilder fotografieren. Darum gibt es definitiv Absprungpläne. Aber in welche Richtung das Sprungbrett zeigt, wird sich noch herausstellen. Das ist von vielen Dingen abhängig.

Hamburg, oder doch eher München, also in Bergnähe?

Wenn es nach der Landschaft geht, dann ganz sicher München. Die Nähe zu den Alpen ist schon ein gutes Argument. Aber festlegen kann und will ich mich da noch nicht.

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Deine beeindruckenden Bilder aus dem Stubaital sind im Privaturlaub entstanden, wirken aber dennoch nicht, als hättest Du sie mal eben schnell im Vorbeigehen fotografiert. Was ist Dein Geheimnis, außer einer sicher sehr geduldigen Reisebegleitung?

Oh ja. Die ist sehr geduldig. Wobei es oft so ist, dass sie nicht merkt, wenn ich zum Fotografieren stehenbleibe – und sich dann verwundert umschaut. Aber die Fotos sind wortwörtlich im Vorbeigehen entstanden. Ich hatte die Kamera am Rucksack hängen und hab einfach draufgehalten. Wenn man durch die Berge wandert tut sich nach jeder Ecke ein neues Panorama auf. Ich bin nur ein zwei mal extra für Fotos einen anderen oder zusätzlichen Weg gegangen. Ich bin kein Fan von großer Inszenierung. Vielleicht stehe ich mal zeitig für einen Sonnenaufgang auf. Aber ansonsten versuche ich immer, mit dem zurechtzukommen, was sich mir anbietet.

“Berge, die aus dem Meer in den Himmel ragen,
lassen eigentlich keine Fragen offen.”

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Wen oder wo würdest Du gerne mal fotografieren?

Die Frage nach dem “Wo” ist leicht beantwortet. Norwegen. Ganz klar. Ich war zwar noch nie dort, aber Berge, die aus dem Meer in den Himmel ragen, lassen eigentlich keine Fragen offen.

An sich mache ich ja viel Landschaft, Sport und Transportation. Neue Landschaften werde ich in Norwegen finden – die Frage nach dem “Wen” ist da schon schwerer, da ich noch sehr frisch in der Portraitfotografie bin. Bei Sport reizt mich momentan Rad- und Laufsport sehr. Und bei Transportation… nun ja – es gibt so viele schöne Autos.

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Vor allem Deine Landschaften beeindrucken uns sehr, sie wirken teilweise recht melancholisch. Absicht?

Nein. Ich versuche in den Fotos die Stimmung zu zeigen, die ich gespürt habe als ich sie gemacht habe. Hinzu kommt, dass ich Nebel total mag. Immer, wenn Nebel ist, will ich in den Wald. Auch wenn ich schon hunderte Nebel-Wald-Fotos auf der Festplatte habe. Und, nunja… Nebel wirkt eben oft melancholisch. Es ist also nicht die Liebe zur Melancholie, sondern eher die zu Nebelschwaden.

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Woran arbeitest Du gerade?

Ich plane gerade ein, zwei Sportsachen. Laufen und Radsport. Allerdings ist das immer nicht so einfach, da es quasi kein Budget gibt und die Freunde als Model herhalten müssen. Das alles mit dem Wetter unter einen Hut zu bekommen, ist die größte Schwierigkeit. Jetzt kommt bald der Winter. Mal schauen was der so mit sich bringt.

“Manchmal schaue ich vielleicht ein bisschen
zu viel auf andere Fotografen.”

Schaust Du auf Arbeiten anderer Fotografen oder lieber nicht?

Zu 100%. Manchmal schaue ich vielleicht ein bisschen zu viel und vergesse dabei, dass andere Fotografen auch nur einen kleinen Teil der Bilder zeigen, die anfangs auf ihrer Speicherkarte landeten. Aber die Bilder anderer Fotografen sind Inspiration und Ansporn zugleich.

Deine Lieblingsmagazine/Websites/Blogs?

Print ist in Chemnitz eh eine Sache für sich. Neben Superillu und FAZ gibt es am Zeitungskiosk nicht viel Auswahl. Websites und Blogs verfolge ich auch unglaublich viele. Der Stilpirat (Steffen Böttcher) ist aber schon wirklich weit vorn, denn er bringt einen echt oft zum Nachdenken.

Welcher Fotograf oder welche Fotografin hat Dich denn zuletzt richtig umgehauen, wer brachte Dich zum Staunen? Hättest Du Fragen an diese?

Puuuh, da gibt es viele! Durch Facebook und Co. bekommt man ja täglich die Arbeiten vieler Fotografen zu Gesicht. Da jetzt einen speziellen herauszupicken ist echt nicht leicht. Ich nenne einfach mehrere, ok?

Klar!

Michael Müller, Frederic Schlosser und natürlich Paul Ripke sind drei Beispiele.

Michael taucht in letzter Zeit immer öfter in der Outdoorbranche auf. Ich mag vor allem, dass seine Bilder nicht die typischen Sport- oder Outdoorbilder mit grellen Farben und harten Kontrasten sind. Seine Fotos wirken eher wie Dokumentarfotos mit sehr viel Stimmung. Man hat das Gefühl, dass es nie um irgendein spezielles Produkt geht, sondern eher um die Aktivität an sich. In den Bildern stecken meiner Meinung nach viel mehr Emotionen als in den Bildern anderer Fotografen. Bestes Beispiel dafür ist der aktuelle Maloja Katalog.

Bei Frederic ist das ähnlich. Bei seinen Fotos passt irgendwie alles. Die wirken bis auf’s letzte Detail durchdacht und ausgearbeitet. Ich glaube in seinen Bildern steckt unglaublich viel Arbeit.

An Paul wiederum fasziniert mich, wie er ständig neue verrückte Sachen macht. Und allein die Tatsache, dass er beim WM Finale in Rio mit seiner Leica öfter im Bild war als Jogi, reicht aus, um ihn auf dem Schirm zu haben.

Spezielle Fragen an die drei habe ich nicht. Ich glaube, den Unterschied in der Fotografie macht nicht das Wissen über irgendwelche Geheimnisse – wenn es die überhaupt gibt – sondern wie man tickt. Herangehensweisen und Gedankengänge sind da am ausschlaggebendsten.

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Apropos Herangehensweise… Jeder macht mal Fehler und gerade anfangs muss man durch alles einmal selber durch. Schonmal ein Shooting so richtig in den Sand gesetzt?

Toi toi toi. Bis jetzt noch nicht. Ich konnte manchmal meine eigenen Erwartungen nicht erfüllen.
Das ist aber ganz normal, denke ich.

Klar! Später muss dann aber auch noch der Kunde glücklich sein, selbst wenn das Wetter mal nicht perfekt war…

Richtig. Aber mit der richtigen Vorbereitung sollte das machbar sein. Wobei es manchmal gar nicht schlecht ist, wenn das Wetter nicht so ist wie geplant. Bei den Fotos aus dem Stubaital zum Beispiel: Bei blauem Himmel kennt die Alpen jeder. Aber bei Nebel?

Bei PicDrop nutzen wir diese tollen Landschaften für unsere Startseite. Wann kommt Nachschub?

Bald. Ich war Ende September in Portugal. Das ist landschaftlich etwas ganz anderes als die Alpen aber dennoch total spannend. Da sind einige schöne Bilder entstanden, die es sicher bald zu sehen gibt.

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Felix, danke für den kurzen Einblick und viel Erfolg beim Start in Deine Karriere!

Den Dank gebe ich gern zurück! Macht weiter so.

Noch Fragen an Felix?

Die Kommentare sind offen. Legt los!

Demächst hier im Interview:

Autofotograf und Senkrechtstarter Frederic Schlosser. Habt ihr Fragen an Frederic? Schickt sie uns an hello@picdrop.de und wir haken bei Frederic für euch nach.

 

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  • Rüdiger Knappe

    Danke für das tolle Interview. Macht weiter so!