zurück zur Übersicht 5.7.2017 - 10:58

Im Interview: Andreas Matthiessen von kameraversicherung.de

Andreas Matthiessen ist Versicherungsmakler und hat sich seit 1997 auf Versicherungen für Fotografen spezialisiert. Unter www.kameraversicherung.de findet ihr sein Angebot, das von der reinen Kameraversicherung über die Berufshaftpflicht bis zur Produktions- oder Drohnenversicherung reicht.

PicDrop: Hallo Andreas, die wichtigste Frage vorweg: Ich bin doch immer super vorsichtig und mir wurde noch nie was geklaut – wieso sollte ich als Fotograf also meine Kameraausrüstung überhaupt versichern?

Matthiessen: Fast alle Kunden denken immer als erstes an das Diebstahl-Risiko. Dieses ist natürlich auch eklatant vorhanden, neben Studio- und Wohnungseinbrüchen werden auch immer mehr Kfz aufgebrochen und es ist eine Zunahme von Trickdiebstählen zu verzeichnen.

Die Mehrheit der Schadenfälle sind allerdings Stoß- und Fallschäden, Bedienungsfehler, Schäden durch Flüssigkeiten, Überspannungsschäden. Wir hatten allein in 2016 drei umgekippte Aufbauten mit digitalen Rückteilen, Bodies und Optiken mit Schadenhöhen zwischen 24.000 – 38.000 Euro. Die fatalsten Schäden haben wir aber meines Erachtens nach bei Bränden. Das passiert zwar selten, aber hier läuft es fast immer auf einen Totalschaden für unsere Kunden hinaus. Die Hitze, sowie Rauch und Ruß, zudem das Löschwasser – das übersteht keine Fototechnik.

PicDrop: Lohnt sich das Versichern meiner Technik immer oder nur ab einem bestimmten Wert, also zum Beispiel bei einer teuren Mittelformatkamera, oder auch für jede noch so kleine Ausrüstung?

Matthiessen: Das sollte jeder für sich selber entscheiden, wir starten mit unserem Konzept ab 10.000 Euro Versicherungssumme. Einsteiger können sich selbstverständlich gerne auch mit geringeren Summen bei uns versichern, wenn weitere Zukäufe geplant sind.

PicDrop: Erlaube mir eine kleines Rechenbeispiel: was kostet das Ganze für eine “normale” Kameratasche mit 2 Vollformat-Bodies und 4 Objektiven im Wert von sagen wir mal… 15.000 Euro?

Matthiessen: Bei unserem aktuellen Tarif liegen wir da mit europaweiter Deckung bei einem Jahresbeitrag von 357,00 Euro, mit weltweiter Deckung bei einem Jahresbeitrag von 428,40 Euro.

PicDrop: Was genau ist dafür dann versichert? Oder besser: was nicht?

Matthiessen: Wir bieten hierfür eine “Allgefahrendeckung”. Bei der Allgefahrendeckung handelt es sich um den umfangreichsten Versicherungsschutz, den man bekommen kann. Mehr Leistung geht nicht. Das heisst: Alle Gefahren, auch bislang unbekannte und unbenannte sind im Versicherungsschutz enthalten. Alle Schäden an versicherten Sachen durch Zerstörung, Beschädigung oder Abhandenkommen sind versichert, sofern sie nicht explizit vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind.

Versichert sind u.a. Schäden durch Diebstahl, Raub, Plünderung, Einbruchdiebstahl, Stoß – und Fallschäden, Bedienungsfehler, Kurzschluss, Über-/Unterspannung, Regen, Überschwemmung, Feuer, Ruß und Rauch, Sengen, Glimmen, Schmoren, Vorsatz Dritter, Vandalismus – und durch Ungeschicklichkeit.

PicDrop: Das macht bei der Rechnung, die Du eben genannt hast, cirka einen Euro am Tag – und schon ist mein Kamera-Equipment gegen alle Widrigkeiten gesichert, egal wie blöd ich mich anstelle oder wie viel Pech ich habe? Die Kamera fällt mir aus der Hand … ich schütte meinen Morgenkaffee über die Kameratasche… alles versichert?

Matthiessen: Richtig. Wichtig zu wissen wäre natürlich, dass die Entschädigung von Fällen, die durch grob fahrlässiges Verhalten herbeigeführt werden, auch vom Versicherer gekürzt werden dürfen.

Was ist grobe Fahrlässigkeit?

Ordnungsgemäß handelt derjenige, der alle ihm auferlegten Sorgfaltspflichten beachtet.

Fahrlässig handelt derjenige, der “die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht läßt” (§ 276 BGB).

Grob fahrlässig schließlich handelt derjenige, der “die im Verkehr erforderliche Sorgfalt gröblich, im hohen Grade außer Acht läßt, wer nicht beachtet, was unter den gegebenen Umständen jedem einleuchten müßte (ständige Rechtsprechung seit RG, Bd. 141, . 131). Grob fahrlässig sind “schlechthin unentschuldbare Pflichtverletzungen, die das gewöhnliche Maß erheblich übersteigen” (BAG, VersR 68, S. 738). Grob fahrlässig ist derjenige, der “unbekümmert und leichtfertig handelt” (BGH VersR 66, S. 745) bzw. “die Sorgfalt außer Acht läßt, die sich aus den nie ganz vermeidbaren Fahrlässigkeitshandlungen des täglichen Lebens als auffallende Sorglosigkeit heraushebt” (BGH VersR 89, S. 830). Grob fahrlässig handelt schließlich derjenige, der “einfachste Überlegungen nicht anstellt und keine Maßnahmen ergreift, die jedermann einleuchten müssen” (BGH VersR 94, S. 314).

Populär ausgedrückt: Grob fahrlässig ist ein Handeln immer dann, wenn sich jeder vernünftige Mensch an den Kopf langt und sagt: “Wie kann man nur…!” 

Das Auto zu verlassen und dabei die Kamera offen sichtbar auf dem Beifahrersitz liegen zu lassen, wäre also sicherlich grob fahrlässig. Genauso grob fahrlässig wäre es, im Zug in den Speisewagen zu gehen und die Sachen währenddessen unbeaufsichtigt in der Gepäckablage zu lassen.

Auch der Einsatz von Technik in bestimmten Gegenden oder in bestimmten Situationen stellt an den Versicherungsnehmer erhöhte Sorgfaltspflichten sowie die Beachtung von besonderen Obliegenheiten und Sicherungsmaßnahmen. Das wären also entsprechende Sicherungen der Technik durch Trageriemen am Körper etc. und die Beachtung der Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.

PicDrop: Der berühmte Kamerataschendiebstahl während der Kaffeepause (“Eben stand hier doch noch meine Tasche”) oder die über Nacht aus dem Kofferraum geklaute Blitzanlage ist aber versichert?

Matthiessen: Auch für diese Fälle besteht Versicherungsschutz im Rahmen der Allgefahrendeckung.

Sicherlich macht es aber Sinn, hochwertige Technik nicht aus den Augen zu lassen und die nötige Sorgfalt walten zu lassen, ebenso macht es natürlich Sinn, die Kameratasche nachts nicht im Auto zu lassen, sondern mit auf das Hotelzimmer zu nehmen. (siehe Definition “grobe Fahrlässigkeit” weiter oben, Anmerkung der Redaktion) Sperrige und schwere Sachen wie Stative oder Blitzgeneratoren durchs Hotel zu tragen, ist aber eher nicht von Nöten.  

Es passieren aber auch kuriose Diebstähle, teils von Fotografen untereinander bei Pressekonferenzen, bei Sportfotografen im Stadion und selbst Gäste bei einer zu fotografierenden Hochzeit stibitzen gerne mal eine Kamera. Auch hier besteht Versicherungsschutz.

PicDrop: Was ist der häufigste “Fehler” von uns Fotografen, den Du immer wieder zu hören bekommst?

Matthiessen: Der häufigste Fehler ist wirklich, die Kameratasche im Auto zu lassen. Beklaute Fotografen werden häufig über einen längeren Zeitraum beobachtet, ab ihrer Abfahrt vom Studio und natürlich bei Jobs im Ausland. Hier fahren die Täter oftmals den Fotografen hinterher und warten auf eine günstige Gelegenheit, um das Fahrzeug aufzubrechen oder das Abschließen des Autos mittels Störsendern zu verhindern. Das Ganze dauert oftmals nur ein bis zwei Minuten, dann ist alles weg.

PicDrop: Was kann ich als Fotograf tun, damit es gar nicht erst zu so einem Ärgernis kommt?

Matthiessen: Wir haben hier ein paar allgemeine Verhaltens-Empfehlungen für Fotografen:

  • Informiere Dich vor Auslandsreisen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes der BRD über die Reise- und Sicherheitshinweise für die Reiseländer und befolge sie.
  • Lasse keine Technik im Innenraum eines KFZ einsehbar oder abgedeckt liegen. Lege die Technik immer vor Antritt der Fahrt in den Kofferraum und nicht erst wenn Du ankommst und evtl. beobachtet werden könntest.
  • Lasse während des Beladevorganges und danach das Kfz nicht aus den Augen. Wir verzeichnen immer mehr Blitzaufbrüche und Diebstähle, die in wenigen Minuten passieren.
  • Der Ablenkungs- und Trickdiebstahl nimmt gravierend zu. Besondere Vorsicht besteht, wenn irgendetwas Ungewöhnliches um Dich herum passiert oder Du von fremden Personen angesprochen wirst. Hier gilt es dann, besonders aufzupassen.
  • Lasse an Flughäfen, Bahnhöfen, im Zug, in der Hotel-Lobby Deinen Kamerakoffer nicht aus den Augen und stelle am besten immer Berührung zu dem Kamerakoffer her.

PicDrop: Das wären dann die Tipps gegen Diebstahl. Und sonst so?

Matthiessen: Natürlich bleibt dann neben dem Diebstahl immer noch der Unfall. Hier die klassischen Tipps:

  • Achte darauf, dass Kamerakoffer und Rucksäcke immer geschlossen sind, damit die Sachen nicht herausfallen können.
  • Achte bei Außenaufnahmen mit Stativaufbauten auf die Standsicherheit des Statives und stelle das Stativ nicht zu dicht an mögliche Gefahrenquellen wie z.B. Brückengeländer, Wasserflächen o.ä.. Beschwere die Stative, damit diese nicht bei einem Windstoß oder leichter Berührung umkippen.
  • Achte darauf, die Kamera mit dem Kameragurt am Körper zu sichern, vor allem bei  Aufnahmen über Wasser, über Schluchten, über Brückengeländern.

PicDrop: Das sind alles logische Hinweise, die jeder Profi kennt und im Normalfall auch befolgt, an die wir hier aber gerne mal wieder erinnern. Trotzdem passieren ständig die verrücktesten Sachen. Was sind Deine Top 3 der spannendsten und absurdesten Fälle, die Du in unserer Branche bisher erlebt hast?

Matthiessen: Hier nur drei Beispiele zu nennen, fällt mir wirklich schwer. Auf unserer Website und auf Facebook sammeln wir aber die spannendsten Fälle. Und da gibt es vom umgefallenen Blitz über das geschmolzene Flugzeugfenster bis zur Überschwemmung im Hotel einfach alles.

PicDrop: Angenommen ich habe erfolgreich ein Hotel überschwemmt und meine versicherte Ausrüstung gleich mit ruiniert. Bezahlt mir Deine Versicherung auch die Ersatzkosten, wenn ich am nächsten Tag vor Ort weiter produzieren muss und darum zum nächsten Rent fahre, um alles Nötige für die Produktion zu mieten?

Matthiessen: Auch das haben wir in der Technikversicherung mitversichert. Wir übernehmen die Kosten beim Rent bis zu 10.000 Euro.

PicDrop: Ihr bietet auch eine Versicherung für Datenverlust oder eine Haftpflicht für das ganze Team während der Produktion an. Der berühmte Assi, der das Stativ über das Parket schleift und es zerkratzt, die umgefallenen Ming-Vase in der angemieteten Villa oder das kaputte Luxus-Auto, das der Assi beim Auto-Shooting kaputt fährt – das wäre dann alles versichert?

Matthiessen: Die Benutzung von Autos ist generell ausgeschlossen vom Versicherungsschutz. Wir arbeiten allerdings daran, dieses zum Jahresende auch im Rahmen der Haftpflicht teilweise mitzuversichern. Leider sind die Fotografen immer die ersten Ansprechpartner, wenn etwas schief läuft und begeben sich auch in teilweise unüberschaubare Haftungen, da ab Auftrag bis zum Jobbeginn wenig Zeit ist, alle Eventualitäten zu klären. Hier gab es schon einige böse Überraschungen. Da wird zum Beispiel das Auto vom Fototeam in Kapstadt nach dem Shooting geklaut. Die gesamte Technik und – viel schlimmer – die gerade produzierten Daten waren weg. Der Technikschaden belief sich in einem solchen Fall auf 33.000 Euro, der Produktionstag mit Modellen etc. auf 16.000 Euro. Ohne Versicherung stellt sich da schnell die Frage: wer bezahlt den zu wiederholenden Produktionstag? Vor Shootings macht es also Sinn einmal das Sesamstraßenlied zu summen: Wer, wie, was … wieso, weshalb, warum? Wenn dann Fragen offen sind, kann man mich natürlich gerne einfach anrufen, die Fragen im Gespräch klären und eine Produktion ggf. absichern. 

PicDrop: Du hast gerade schon ein Ausschluss-Beispiel angesprochen, die Benutzung von Autos. Gibt es andere Fälle, die explizit ausgeschlossen sind? Muss z.B. ein Auto oder ein Keller, in dem mein Equipment steht, besondere Anforderungen haben? Wie schaut es aus mit Reportagen in Kriegsgebieten oder unruhigen G20-Demos wie demnächst in Hamburg?

Matthiessen: Speziell zum aktuellen Thema G20: Wenn es sich hier um die fotografische Begleitung einer genehmigten Demo handelt, besteht natürlich auch Versicherungsschutz. Sicherlich wäre es grob fahrlässig, bei der Eskalation einer Situation, mitten drin zu bleiben. Hier gebietet es die Sorgfaltspflicht, zumindest den Versuch zu unternehmen, aus dem Trubel heraus an den Rand zu kommen. Leider gibt es nicht das einer “Rundumsorglos-Paket”. Jede einzelne Versicherungssparte deckt einen gewissen Risikobereich ab und beinhaltet natürlich auch Ausschlüsse. Hier einige wichtige Ausschlüsse bzw. nicht versicherte Risiken: Bei der Technikversicherung sind nicht versichert: Schäden durch Kriegsereignisse, Terrorakte, Erdbeben, Sturmflut, Kernenergie etc. sowie Abnutzung und Verschleiß. Die Definitionen der Begriffe Krieg, kriegsähnliche Ereignisse, Bürgerkrieg, Revolution, Rebellion oder Aufstand oder innere Unruhen sind auch immer gut bei Wikipedia zu finden. Bei der Haftpflichtversicherung sind nicht versichert: die Benutzung von Kraftfahrzeugen, Wassersportfahrzeugen o.ä., Schäden an geliehenen/gemieteten Sachen (Technik, Mietwagen etc.), die Vertragserfüllung (Qualität/Termine/Fristen etc.), echte Vermögensschäden (Verletzung von Rechten). Hier jetzt alle Sparten anzuführen, würde sicherlich den Rahmen sprengen, aber wir betreuen ca. 500 – 700 Fälle im Jahr.  Der Anteil der nichtversicherten Schäden liegt bei unter 2%.

PicDrop: Andreas, vielen Dank für die spannenden Informationen!

Matthiessen: Sehr gerne!

Noch Fragen?

Andreas Matthiessen diskutiert diesen Eintrag gerne weiter mit euch auf unserer Facebook-Seite. Bei konkreten Anfragen könnt ihr ihn über www.kameraversicherung.de und die dort angegebenen Kontaktmöglichkeiten erreichen.

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