zurück zur Übersicht 2.2.2016 - 10:20

Ein paar Fragen an… Carolin Weinkopf

Carolin Weinkopf, 31 Jahre alt, lebt mit ihrem Sohn in Berlin und arbeitet von dort aus weltweit als Fotografin. Sie hat sich ganz der Reportage- und Porträtfotografie gewidmet. Vor ihrer Kamera landen hauptsächlich echte Menschen in echten Situationen. Zu ihren Kunden gehören diverse Namen aus der Berliner Startup-Szene, aber auch politische Parteien, die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (kurz GIZ) sowie Event-Veranstalter in aller Welt.

Carolins Website: carolinweinkopf.de
Instagram: instagram.com/careauxphotography
Facebook: facebook.com/carolinweinkopfphotography
Twitter: twitter.com/careaux

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Hallo Carolin. Läufts?

Ja, es läuft.

Wieso Fotografin?

Ich liebe alles, was schön ist. Ich sehe Schönheit auch dort, wo andere eher nicht hinschauen, oder diese nicht vermuten. Ich liebe es, wenn Menschen mir sagen, dass mein Blick sie auf die kleinen Dinge aufmerksam gemacht hat. Oder dass sie einen Ort oder einen Menschen durch meine Bilder ganz neu entdeckt haben.

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Künstlerin oder Dienstleisterin?

Beides. Gebucht werde ich meist ohnehin nur von Kunden, die meinen künstlerischen Stil mögen. Kompromisse muss es trotzdem manchmal geben, und da bin ich professionelle Dienstleisterin, mit einem hohen künstlerischen Anspruch. Und –  manchmal – auch etwas Wehmut.

Ausbildung, studieren, assistieren oder senkrechtstarten?

Ich würde sagen: einfach machen. Die meisten guten Fotografen und -innen die ich kenne, haben weder studiert noch assistiert. Sie machen einfach, was sie lieben.

Dickes Werbegeld oder lieber Selbstverwirklichung?

Für mich ist Selbstverwirklichung wichtiger. Ich möchte Geschichten erzählen, Geheimnisse sichtbar machen und mich nicht verbiegen müssen. Meine Miete muss ich aber dennoch bezahlen können. Ein schmaler Grad, der bei mir aber bisher nicht zu echten Kompromissen geführt hat.

Welt retten durch Fotografie?

Sicher nicht. Aber zeigen, was sonst im Verborgen bleibt.

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Studio oder kein Studio?

Ich bin eine Freundin der Nicht-Intervention. Ich baue kein Bild zusammen, sondern ich suche es mit der Kamera. Das heißt: absolut kein Studio.

Mit Kunden am “Set”?

Bei mir gibt es kein Set, nur das echte Leben.

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Stimmt, Du bist immer unterwegs – wer sind eigentlich Deine typischen Kunden?

Das ist total unterschiedlich. Immer mal wieder Privatpersonen, die Bilder von “meinen” Blick auf Dinge möchten, die ihnen lieb sind. So ist zum Beispiel die Straßenserie von Paris für einen Freund entstanden. Häufig sind es auch Kunden, die dokumentarische Einblicke von bestimmten Projekten oder Regionen haben wollen. So war ich z.B. für eine Fairtrade-Initiative in Nepal, für die GIZ in Marokko oder für einen Reiseveranstalter auf Rügen.

Dann gibt es noch Eventkunden, die atmosphärische Bilder möchten. Schauspieler, Autoren, Künstler oder Politiker, die authentische Porträts wünschen. Ab und zu arbeite ich zusammen mit Journalisten an dokumentarischen Geschichten, wie letztes Jahr an einer bedrückenden Story über die Kleinstadt Tröglitz in Sachsen-Anhalt, wo ein Asylbewerberheim niederbrannte. Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich und auf keine Nische beschränkt, ich versuche meinem Stil dabei aber immer treu zu bleiben.

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Der Kunde hat immer Recht?

Quatsch. Ich habe grundsätzlich Recht. Aber ich sage es nicht immer.

Wieso bist Du gut in dem, was Du machst?

Weil ich meinen Träumen gefolgt bin und dabei nur sehr wenige Kompromisse gemacht habe. Und weil ich mich nicht so sehr von außen beeinflussen lasse.

Vorbilder?

Ich bin am liebsten ich selbst. Inspiration finde ich aber überall. In der Fotografie anderer, meist aber im echten Leben.

Auf welche drei Arbeitsmittel könntest Du auf keinen Fall verzichten?

Kamera, iPhone, Laptop

Karriere oder Familie?

Beides sehr fragile Konstrukte, die es zu schützen und wertzuschätzen gilt. Ich glaube in der heutigen Zeit geht es gar nicht, sich für das eine oder andere zu entscheiden, ohne völlig leichtsinnig zu sein. Gleichzeitig bin ich auf beiden Feldern aber auch sehr realistisch, glaube ich.

Am Checkin: Ehrlich sein oder hoffen, dass das Handgepäck einfach nicht gewogen wird?

Da bin ich ausnahmsweise unehrlich.

Fenster oder Gang?

Fenster, denn ich muss ALLES sehen!

Du reist sehr viel. Wo kommst Du gerade her, wo geht es als nächstes hin?

Ich komme gerade aus Beirut, als nächstes geht es für ein paar Tage nach New York.

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Du willst gerne mal zurück nach….?

Nepal. Dort habe ich vor der Geburt meines Sohnes ein paar Monate gelebt und ich würde sehr gern noch einmal zurück, besonders jetzt, nach dem Erdbeben. Um anzupacken, aber auch um den Zauber des Landes noch einmal zu erleben, bevor er durch den modernisierten Wiederaufbau womöglich verschwindet.

Wo findest Du aktuell gute Fotografie?

Im Internet. In alten Büchern. Überall. Auch wenn vieles zur Zeit sehr eintönig ist, wie ich finde.

Und die Branche so allgemein?

Durch die ständige Verfügbarkeit von allem schauen die meisten Kreativen viel zu viel auf andere, statt sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und den eigenen Stil zu definieren. Ich bin immer sehr glücklich, wenn ich mal wieder etwas wirklich Eigenes und Echtes finde. Das ist selten, kommt aber vor.

Zum Beispiel?

Ich habe vor ein paar Monaten auf Instagram einen rätselhaften Account namens Halberstam gefunden, mit fantastischen (heimlichen) Bildern von New Yorkern, die mitten im Chaos unterwegs aber dabei ganz bei sich sind. Damals hatte der namenslose Fotograf nur ein paar Follower, gerade hat er die 50.000 geknackt. In diesen Bildern kann ich mich völlig verlieren.

Freie Arbeiten?

Ich arbeite seit vielen Jahren an einer Langzeitdokumentation über mein Herzensland, Mazedonien. Letzten Sommer habe ich dort zusätzlich angefangen, Menschen in der weltgrößten Romasiedlung vor den Toren Skopjes zu begleiten und zu porträtieren. Womit ich nicht so gut vorankomme, vielleicht weil es einfach zu nahe liegt, ist mein Projekt über Deutschland. Das plane ich schon seit vielen Jahren, habe es durchaus auch mal angefangen, komme damit aber nicht so richtig aus dem Quark.

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Günstiger arbeiten, wenn dabei was für die eigene Mappe rauskommt?

Definitiv. Aber nur wenn Aufwand und Ergebnis zueinander passen. Oder wenn es wichtig für die Welt ist.

Also doch Welt verbessern durch Fotografie?

Ich glaube nicht, dass ich durch meine Arbeit die Welt verbessern kann. ​Wenn ich aber einer Initiative, die Tolles tut, unter die Arme greifen kann, dann tue ich das gern.

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Hast Du es “geschafft”?

Um mich wirklich zurücklehnen zu können, muss ich noch ein bisschen mehr “schaffen”. Grundsätzlich hätte ich aber nie gedacht, dass es jemals so gut laufen würde, erst recht nicht mit Kind.

Du bist sogar schon mit Deinem Sohn zusammen auf Reportage gegangen. Wie waren Deine persönlichen Erfahrungen damit und wie reagierte Deine Umwelt?

So direkt stimmt das nicht, ich habe meinen Sohn mitgenommen, wenn ich weit reisen musste für Jobs, z.B. nach Indien und in den Oman. Während meiner Arbeit wurde er dann aber immer von lieben Menschen betreut, damit ich mich konzentrieren konnte. Wirklich mitgenommen in dem Sinne dass ich ihn mir auf den Rücken geschnallt habe? Das habe ich nur für freie Arbeiten gemacht. In Istanbul zum Beispiel. Mein Sohn ist sehr charmant, insofern reagiert die Umwelt meist verzückt, ganz selten aber auch mit Unverständnis.

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Bild: Rosie Ubacher

Status quo – zufrieden oder strebst Du noch nach mehr?

Nach einer kurzen Babypause und einer langen, anstrengenden Zeit in der ich nirgendwo so ganz war, weder im Job noch in der Familie, wünsche ich mir für die Zukunft, (noch) mehr zu reisen, tolle Projekte zu machen und mir dann auch mal längere Auszeiten gönnen zu können, für und mit der Familie.

Das beste Bild Deiner Karriere?

Da fällt mir die Entscheidung sehr schwer. Eines meiner Lieblingsbilder ist aber dieses, aufgenommen in einer Höhle in der Nähe eines Klosters irgendwo in den Bergen Mazedoniens. Morgen wäre es eventuell aber ein ganz anderes.

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Fotoassistenten sind….?

Manchmal hilfreich, bei meiner Art der Fotografie jedoch in der Regel unnötig und eher störend.

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Noch ein Tipp?

Nicht zu viel nach rechts und links schauen, sondern sich selbst treu bleiben. Und den Menschen die man trifft mit Respekt begegnen. Vor, während und nach dem Fotografieren. Den Blick für das Wesentliche nicht verlieren. Und: nein sagen. Wann immer es die Situation erfordert.

Zuletzt bei “Ein paar Fragen an…”:

Portrait- und Werbefotograf Steffen Jänicke.

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